Per Anhalter von NYC nach Miami

Modellballon aus Alufolie und Haarspray

13. Dezember 2016 Comments (0) Reisen, Startseite

Roadtrip an den Polarkreis – Eisbaden bei -6°C

Nach unserer Amerika-Reise hatte Eric zwei Wochen frei, und natürlich wollten wir eine Reise machen, die auch in dieser kurzen Zeit ein Abenteuer werden würde. Als wir nach den billigsten Flügen von Miami nach Europa suchten, fanden wir ein echt gutes Angebot direkt nach Oslo. Wir wollten schon immer die Polarlichter sehen und so beschlossen wir einen Roadtrip durch Skandinavien zu machen.

Eric hatte vor, mit einem anderen Kumpel bis nach Oslo fahren, von wo aus wir die Reise dann gemeinsam fortsetzen würden. Also packte Eric unser Zelt, etwas dickere Schlafsäcke und Isomatten ein und machte sich auf den Weg. Als wir von Oslo den Weg Richtung Norden antraten, merkten wir schnell, wie hoch die norwegischen Spritpreise sind und fuhren so schnell wie möglich nach Schweden, hier war es etwas günstiger.

Als Ziel hatten wir uns mehr oder weniger den Polarkreis vorgenommen, hier sollte es schon bis zu -10°C werden. Die erste Nacht verbrachten wir an einem riesigen, völlig unzivilisierten See. In Skandinavien herrscht das Jedermannsrecht, was bedeutet, dass nicht nur unser Wildcampen und Lagerfeuer, sondern auch das Baden ausnahmsweise mal legal waren :D. Also nutzten wir die Chance und stürzten uns nach einer sogar relativ warmen Nacht (zu viert in einem kleinen Zelt) in den eisigen See. Erstaunlicher Weise war das Wasser um einiges kälter als zwei Tage vorher am Strand der Florida – Keys, eine willkommene Abwechslung!

Auch die nächsten Nächte campten wir in menschenleeren Gegenden, fanden ein verlassenes Haus und so langsam bedeckte sich die Landschaft mit Schnee. Jeden Abend kochten wir am Lagerfeuer, meistens Nudel in geschmolzenem Schnee oder dem klaren Seewasser. Auf einem kleinen Gehöft, an dem wir Pause machten, empfahl uns die dort wohnende Bäuerin den größten Wasserfall Schwedens zu besichtigen. Als wir dort ankamen, war es schon leicht dämmrig aber der Anblick des halb eingefrorenen Wasserfalls belohnte unseren Fußmarsch auf jeden Fall.

 

Der alte Messermacher

An einem der nächsten Tage entdeckten wir am Rand der komplett vereisten Straße ein kleiner Schild mit der Aufschrift „deutscher Messermacher“. Wir bogen ab und kamen zu einem alten Bahnhof, ein großer, bärtiger Mann kam uns direkt entgegen. Wie sich herausstellte lebt dieser schon seit Jahren völlig einsam an diesem Bahnhof. Nach einem längeren Gespräch und seinem Schnaps, den er Kanister Weise lagerte, bot er uns einen Schlafplatz in einem alten Wohnwagen auf seinem Gelände an. Wir nutzten die Gelegenheit um unser bereits völlig durchnässtes Zelt wenigstens eine Nacht trocknen zu lassen. Auch wenn der alte Mann ziemlich seltsam war und zunehmend betrunken nur noch kaum verständliche Sätze von sich gab, verbrachten wir den Abend in seinem immerhin gut geheizten Wohnzimmer. Zum Abschied schenkte er uns ein Rentier Geweih, wofür wir ihm unser Dosenbier anboten :D.

Er hatte uns erzählt, dass es in der Gegend nicht nur große Rentierherden sondern auch Elche und Bären gäbe. Im Sommer würde seit Jahren sowohl ein Elch, als auch ein Braunbär immer wieder auf seinem Grundstück auftauchen. Rentiere sahen wir tatsächlich einige Male, die anderen Tiere bekamen wir leider nicht zu Gesicht.

Eine weitere Nacht verbrachten wir auf einer alten, ziemlich eingefallenen Hütte auf einer Halbinsel, in der Mitte eines eingefroren Sees. In der Mitte der Hütte war eine Feuerstelle und darüber ein Rauchabzug. Die Tür bestand nur noch aus ein paar Balken, die neben der Hütte lagen. Wir sammelten so viel Holz wie möglich, das aber alles mit einer dicken Eisschicht überzogen war. Das Feuer anzubekommen war nicht gerade einfach, als es uns endlich gelang, qualmte es unaufhörlich. Die ganze Hütte füllte sich mit Rauch, der mehr durch die offene Tür, als durch den Abzug nach draußen zog. Immerhin reichte unser Feuer um eine gute Portion Nudel zu kochen und sich etwas aufzuwärmen.

Sobald das Feure aus war, wurde es in der Hütte erneut eisig kalt. Wir beschlossen, unser Zelt in der Hütte aufzuschlagen, auch wenn hier fast überhaupt kein Platz war. So klemmten wir die Zeltstangen zwischen Tür, Bänke und Feuerstelle, wodurch wir nur noch etwa halb so viel Platz im Zelt hatten wie normal – und das, obwohl unser Zelt ohnehin nur für 3 Personen ausgelegt ist. Immerhin wurde es im Zelt richtig warm, mit 14 °C fast 20 Grad wärmer als draußen!

 

Eine Panne kurz vorm Ziel

Am nächsten Morgen verabschiedeten wir uns von der unbeschreiblich schönen Seenlandschaft um unserer Halbinsel und machten uns wieder auf den Weg. Leider wurde es immer früher dunkel, je weiter wir in den Norden fuhren und wir bekamen schon ab 14 Uhr nichts mehr von der beeindruckenden Landschaft um uns mit.

Eigentlich hatten wir vor, am nächsten Tag wieder bis spät in die Nacht zu fahren. Gegen Abend bogen wir in einen kleinen Seitenweg ein, der angeblich zu einem See führen sollte. Der Weg war so schlecht, dass der Fabia ständig aufsetzte, wir konnten nicht langsam fahren, sonst wären wir wohl steckengeblieben. Am Ende des Weges irrten wir zu Fuß weiter, fanden aber keinen Zugang zum See. Als wir mit dem Auto wieder auf die Straße kamen, merkten wir schnell, dass etwas nicht stimmte. Ein Vorderreifen hatte einen ziemlich großen Schnitt und war völlig platt.

Also blieb uns nichts anderes übrig, als an Ort und Stelle unser Zelt aufzuschlagen und darauf zu hoffen, dass es irgendein Abschleppdienst bis zu uns schaffen würde. Tatsächlich konnte unsere Versicherung uns einen Dienst nennen, der aber erst am nächsten morgen eintreffen würde. Auf die besorgten Fragen der Versicherungsangestellten konnten wir nur antworten, dass wir sowieso vorhatten, draußen zu schlafen. Zum Glück hatte die Werkstatt einen passenden Ersatzreifen (sogar mit Spikes) da und so war da Auto schon am nächsten Tag wieder fahrbereit!

 

 

Eisbaden und Polarlichter am Polarkreis

Schon bald erreichten wir den Polarkreis in der Nähe von Jokkmokk. auch hier fanden wir einen riesigen See, der aber nur zum Teil eingefroren war. Auch wenn es mit dem nassen Holz alles andere als einfach war, machten wir am Ufer ein großes Lagefeuer. Es gab genug Holz und das Feuer war schon bald viel zu groß um drauf zu kochen. Also errichteten wir daneben ein kleineres Feuer, das dafür besser geeignet war. So konnten wir am einen Feuer sitzen, während uns das andere den Rücken wärmte.

Etwa gegen 10 Uhr tauchten endlich die ersten Polarlichter am Himmel auf. Sie waren relativ schwach, da es bewölkt war und die meiste Zeit schneite, aber trotzdem klar zu sehen. Wie Vorhänge schlängelten sich die grünen Vorhänge über den See, echt ein beeindruckender Anblick. Als die Sonne am nächsten Morgen aufging, bot sich ein wunderschönes Bild, über dem verschneiten Wald traten die ersten Sonnenstrahlen durch den Nebel auf dem See. Um richtig aufzuwachen, gingen wir erstmal eine Runde schwimmen, wir mussten es schließlich ausnutzen, dass dieser See noch nicht ganz eingefroren war und wir uns endlich mal wieder richtig waschen konnten :D.

Eigentlich hatten wir alles erreicht, was wir uns vorgenommen hatten und so traten wir langsam wieder den Rückweg an. Am nächsten richtig eigefrorenen See konnten wir nicht widerstehen, uns noch einmal zu erfrischen. Das Eis war noch ziemlich dünn und knackte gefährlich, wenn man darauf lief. Mit einem Stein schlugen wir ein Loch ins Eis und stiegen hinein. Irgendwie ist es ein unbeschreibliches Gefühl, man fühlt sich nach dem Eisbad so wach und lebendig wie noch nie!

 

 

Ein Auto im Straßengraben

Um den Rückweg so schnell wie möglich zurückzulegen, entschieden wir, dass wir den nächsten Tag und die Nacht durchfahren würden. Schon nach ein paar Kilometern gab es einen ziemlichen Schneesturm, man konnte die Fahrbahn kaum noch erkennen. Immer mehr Autos gaben auf und blieben auf dem Seitenstreifen stehen. Dank unseres einen Spikereifens hatten wir überhaupt nichts zu befürchten und fuhren immer weiter Richtung Süden. Plötzlich sahen wir im Straßengraben ein Auto liegen, wir hatten dort zwar schon ein paar alte Autos gesehen aber dieses sah so aus, als wäre es gerade erst von der Fahrbahn abgekommen. Also fuhren wir an den Rand und gingen auf das halb auf der Seite liegende Fahrzeug zu. Noch bevor wir die Tür öffnen konnten, wankte ein Mann heraus, der so betrunken war, dass er kaum noch laufen konnte. Das einzige, was er uns mitteilen konnte war, dass alles okay sei und wir auf keinen Fall die Polizei holen sollten.

Natürlich glaubten wir ihm kein Wort und alarmierten die Eisatzkräfte. Als wir nicht wegfuhren, um den Beamten die Stelle zeigen zu können, versuchte der Mann Eric aus dem Auto zu reißen um mit unserem Auto weiterzufahren. Wir mussten ihn mit Gewalt daran hindern, in unser Auto zu steigen und fuhren etwas weiter. Immerhin kam nach einer viertel Stunde das erste Feuerwehrauto, die Polizei war erst nach einer halben Stunde da.

Wir überließen es ihnen, sich weiter um den Fahrer zu kümmern und machten uns wieder auf den Weg.  Auch wenn wir nur eine Woche unterwegs waren, hatten wir ein echtes Abenteuer erlebt, auch wenn ein Roadtrip im Endeffekt natürlich lange nicht so viele Erlebnisse verspricht wie eine Tour per Anhalter oder mit dem Rad.

 

 

 

 

 

 

 

 

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