Mit dem Rad von Deutschland nach Kroatien

Roadtrip an den Polarkreis – Eisbaden bei -6°C

8. Dezember 2016 Comments (0) Reisen, Startseite

Per Anhalter von NYC nach Miami

20. Dezember 2016

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Unser Plan

Eigentlich hatten wir keine wirklichen Pläne – sechs Wochen Zeit, bis Torben wieder zur Uni musste und natürlich wollten wir so viel wie möglich erleben, für möglichst wenig Geld. Zuerst dachten wir daran, eine Tour per Anhalter durch Europa zu machen – getrampt sind wir schon einige Male und bisher waren wir immer wieder überrascht, wie gut es heutzutage noch funktioniert.

Eigentlich ohne ernsthafte Absichten suchten wir nach alternativen Zielen und fanden auf www.skyscanner.de unglaublich günstige Flüge. Die besten Angebote waren nach Boston und Miami, für jeweils 140€! Kurzerhand buchten wir diese, den Hinflug nach Boston und zurück von Miami. Wie genau wir diese Strecke zurücklegen würden war uns noch nicht ganz klar, zumal wir gehört hatten, dass trampen in Amerika nicht nur äußerst unüblich, gefährlich, sondern auch illegal sein sollte. Naja, irgendwie würden wir es schon schaffen und so traten wir schließlich mit Rucksack und Schlafsack die Reise an – für ein Zelt war in unserem Handgepäck kein Platz mehr. Die einzige Vorbereitung, die wir getroffen hatten, war ein Work & Travel Aufenthalt in der Nähe von Boston für die ersten drei Tage. Um uns schonmal auf die nächsten Wochen vorzubereiten, verbrachten wir die Nacht vor dem Flug auf einer Bank in einem Berliner Stadtpark und hofften, dass wir in Amerika wenigstens ab und zu ein paar gastfreundliche Menschen treffen würden.

Der Flug ging um 6 Uhr morgens, 11 Stunden späten kamen wir in Boston an. Hier war es schon kälter als wir erwartet hatten, gut, dass wir wenigstens die ersten Nächte eine warme Unterkunft hatten – dachten wir zumindest. Bei unserem Host angekommen, erklärte dieser uns zunächst unsere Arbeit. Wir sollten eine Garage mit Schindeln versehen und isolieren, falls noch Zeit wäre. Da seine Freundin ziemlich misstrauisch gegenüber Fremden sei, müssten wir auch die Nächte in diesem Schuppen verbringen – eine scheinbar ziemlich typisch amerikanische Einstellung, die uns noch viel öfter begegnen würde.

Couchsurfing in Manhatten

Von Boston ging es zunächst mit dem Bus nach New York, wo wir eine Freundin besuchten und hier eine Nacht blieben. Sie brachte uns bis nach Manhatten, jetzt waren wir völlig auf uns gestellt. New York ist wahrscheinlich nicht die beste Stadt um die Nacht draußen unter freiem Himmel zu verbringen. Also entschieden wir uns, nach Hosts über die App Couchsurfing zu  suchen, über die wir auch schon Backpacker bei uns zu Hause aufgenommen hatten. Tatsächlich sagte uns jemand zu, es war ein Asiate, der offenbar in einem der unzähligen Hochhäuser ein winziges Apartment besaß. Nachdem er uns zu einem Filmabend eingeladen hatte, bei dem wir erst einmal mit dem Alkoholverbot fürunter 21 Jährige konfrontiert wurden, ging es in seine Wohnung. Erstaunt stellten wir fest, dass wir nicht die Einzigen waren, die hier die Nacht verbringen würden. Insgesamt waren wir zu acht, alles nette Leute von überall auf der Welt. Die gesamte Fläche der Wohnung war mit Luftmatratzen ausgelegt, echt eine einzigartige Erfahrung!

Nach einer mehr oder wenig ruhigen Nacht machten wir uns endlich auf den Weg um unserem eigentlichen Ziel etwas näher zu kommen – dem Trampen (eng. hitchhiking).

 

„We don’t pick up strangers“

Sich in New York City an die Straße zu stellen war offensichtlich aussichtslos, zumal wir schon oft die Erfahrung gemacht hatten, dass man in verlassenen Gegenden viel besser mitgenommen wird als in der Stadt, auch wenn hier nur ein Bruchteil der Autos vorbeikommt.

Also blieb uns nichts anderes übrig, als uns auf den Weg zur nächsten Raststätte zu machen, um hier die Autofahrer persönlich nach einer Fahrt zu fragen. In Europa war das die Methode, mit der wir eindeutig die besten Erfahrungen gemacht hatten, die meisten Menschen sind einfach weniger misstrauisch, wenn sie uns erst einmal außerhalb ihres Autos kennenlernen konnten. Wie auch immer – in Amerika machten wir eine komplett andere Erfahrung. Schon die ersten paar Leute, die wir fragten, reagierten extrem abweisend. Ohne uns nur einmal anzuschauen, schüttelten sie den Kopf oder sagten uns klar und deutlich, dass sie keine Fremden in ihr Auto lassen würden. Andere drohten uns direkt mit der Polizei und erklärten uns, dass das Trampen sowohl in New York, als auch in New Jersey illegal sei. Gut, dass es in Amerika schwer sei, mitgenommen zu werden, hatten wir ja gehört, aber nach den ersten drei Stunden vergeblichem Fragen wurden wir doch etwas ungeduldig.

Gerade als wir eine Pause einlegen wollten, trafen wir einen Mann, der uns erzählte, er sei früher selbst viel getrampt. Nach einem längeren Gespräch meinte er, er würde uns jetzt mal zeigen wie das ginge. Kurz entschlossen ging er auf den nächsten LKW mit passendem Kennzeichen zu, der gerade auf die Auffahrt fahren wollte. Mit wilden Handzeichen hielt er ihn an, riss die Tür auf uns erklärte dem Mann, dass er uns zwar nicht kenne, wir aber durchaus nette Leute seien und er uns soweit wie möglich mitnehmen solle. Der Verdutzte Fahrer hatte keine Zeit lange zu zögern, ließ uns einsteigen und brachte uns tatsächlich 50 Meilen in den Süden.

Auch wenn uns jetzt ziemlich eindeutig klar war, dass Hitchhiker in den Staaten nicht gerne gesehen werden, waren wir uns sicher, dass wir unser Ziel erreichen würden – schließlich hatten wir ja reichlich Zeit. An den nächsten Tankstellen ging es zwar nicht gerade besser, nach drei bis vier Stunden fand sich aber meistens jemand, der uns ein kurzes Stück mitnahm. Immerhin waren die Angestellten der Tankstellen meistens freundlich und duldeten uns auf ihrem Gelände. Von Zeit zu Zeit trafen wir Menschen, die etwas aufgeschlossener waren, Bilder mit uns wollten und meinten, Tramper hätten sie außer in Filmen noch nie gesehen. Alle warnten uns vor den scheinbar unendlich vielen Verrückten, Mördern und Kriminellen die unserer Reise spätestens in den nächsten zwei Autos ein Ende machen würden. Andere wollten zuerst sehen ob wir denn auch keine Sprengstoffgürtel anhätten oder Waffen in unseren Rucksäcken trugen. Mit der Zeit entwickelten wir schließlich ein Gefühl, welche Menschen es sich zu fragen lohnte – meistens junge etwas alternative Männer, mit Bart und längeren Haaren.

 

 

Acht Polizeieinsätze in 15 Tagen

Erstaunlicher Weise fanden wir fast jede Nacht einen Couchsurfer, der uns einen Schlafplatz anbot. Nach mehreren Tagen auf den verschiedensten Raststätten und Gesprächen mit unendlich vielen Autofahrern, wagten wir uns endlich, uns klassisch an die Straße zu stellen und den Daumen herauszustrecken. Wir wussten zwar, dass das eindeutig verboten war, aber was hatten wir schon zu verlieren. Nach einer halben Stunde ohne dass ein einziger Fahrer

anhielt, bog endlich ein vorbeifahrender Streifenwagen auf unseren Seitenstreifen ab. Die aussteigende Polizistin war mehr erstaunt als zurechtweisend und erklärte uns wie gefährlich unser Vorhaben eigentlich sei. Nach und nach hielten weitere Polizeiautos auf der Straße an und blockierten den Verkehr. Nachdem die Polizisten uns befohlen hatten sofort in einen Bus zu steigen, stimmten wir ihnen zu, bedanken uns für ihre Besorgtheit und Warnung und machten uns wieder auf den Weg zur nächsten Raststätte.

Autofahrer an der Zapfsäule anzusprechen sollte ja nicht als klassisches Trampen beurteilt werden und keine weiteren Einsätze verursachen – dachten wir. Nachdem wir nach langem Warten auf einer weiteren Raststätte angekommen waren, gingen wir auf die geparkten Trucks zu, um nach ihrem Ziel zu fragen. Plötzlich hielt erneut ein Polizeiauto neben uns an und fragte uns, was wir denn vorhätten. Wir erklärten dem Polizisten ganz direkt, dass wir die Leute nach Mitfahrgelegenheiten fragten und das nicht illegal sei, da wir Jeden fragen könnten, was auch immer wir wollten. Nach einigem Zögern musste er uns Recht geben und meinte er sei gerufen wurden, da sich ein Truckfahrer „offended“ gefühlt habe. Wir versicherten dem Cop, höflich und nicht aufdringlich zu sein, worauf dieser meinte, er würde wohl wiederkommen müssen und erneut ein bisschen mit uns schwätzen, falls sich nochmal jemand beschweren sollte. Da hatten wir natürlich nichts dagegen und gingen weiter von LKW zu LKW.

In Washington DC trafen wir endlich einen Couchsurfer, der meinte, er würde selbst viel trampen. Dass die Polizei fast die einzigen waren, die anhielten, konnte auch er berichten. Allerdings meinte er, die Beamten hätten kaum Ahnung, was die Verbote von Hitchhiking betrifft. Er riet uns, selbstbewusst und sicher zu behaupten, wir hätten uns über die Gesetzeslage informiert, das Verbot beschränke sich auf Highways und andere Bundesstaaten. Schaden würde es sicher nichts, also probierten wir es direkt beim nächsten Polizeiauto, das uns anhielt. Der aussteigende Polizist kam direkt mit den Worten „don’t you know this is ILLEGAL?“ auf uns zu, worauf wir ihm antworteten, wir wüssten, dass es das nicht sei. Sichtlich verunsichert konnte er uns nicht wirklich widersprechen, erzählte uns aber von den vielen Trampern, die die letzte Zeit ermordet worden waren. Auf unsere Frage, ob das jetzt ein Platzverweis sei oder nicht, meinte er nur, er habe uns gesagt dass es gefährlich und unvernünftig wäre und fuhr weiter. Also blieben wir stehen und hielten unser Schild „South – Interstate 95“ weiter den Autofahrern entgegen.

 

 

Campen auf dem Walmart Parkplatz

Leider hielt keiner mehr an und die Gegend sah nicht gerade sicher aus, auf Couchsurfing antwortete uns auch keiner. Auf der Suche nach einem halbwegs sicheren Schlafplatz fiel uns ein, dass die Parkplätze von Walmart immer gut bewacht sein sollten und hier außerdem das Campen erlaubt war – natürlich nur mit dem Auto, aber was solls. Also machten wir uns auf den Weg zum nächsten Walmart. Hier standen tatsächlich ein Polizeiauto und ein Security – Pickup drehte die ganze Zeit Runden auf dem Parkplatz. Wir legten uns in Sichtweite von beiden hinter einen Busch und versuchten zu schlafen.

Etwa gegen Mitternacht trat scheinbar ein anderer Sucuritydienst seinen Dienst an und fragte uns ob wir denn die ganze Nacht dort verbringen wollten. Wir erklärten ihm, unser Bus würde sehr früh fahren, weshalb wir keinen Schlafplatz gefunden hätten, was er zwar gelten ließ, auch wenn er meinte, dass das eigentlich nicht ganz erlaubt wäre. Kurz darauf kam ein Ehepaar auf uns zu und fragte uns dieselbe Frage. Als wir ihnen unsere Situation erklärten, meinten sie, sie könnten eine Plane über ihren Anhänger spannen, unter der wir schlafen könnten. Gesagt, getan und so verbrachten wir die Nacht gut geschützt auf ihrem zeltartigen Anhänger, während sich draußen die ersten Anzeichen des bevorstehenden Hurrikans bemerkbar machten.

 

 

Rechtzeitig zu Hurrikane Matthew in Florida

Schon in North Carolina hatten uns die Leute gewarnt, dass bald der Hurrikane „Matthew“ an der Ostküste Floridas ankommen würde. Je näher wir unserem Ziel kamen, desto leerer wurden die Straßen Richtung Süden, in Jacksonville war kaum noch ein Auto in diese Richtung unterwegs. In Miami hatte eine Freundin die gerade erst aus Deutschland angereist war, eine Couchsurferin gefunden, bei der wir unterkommen konnten. Um diese noch vor Beginn des Hurrikans zu erreichen, fuhren wir die letzten Meilen schließlich mit dem Greyhound Bus.

Jeanette nahm uns nicht nur äußerst gastfreundlich in ihrem Zuhause auf, sie bot uns sogar eine kleine Ferienwohnung direkt am Strand kostenlos an, die zurzeit nicht besetzt war, da alle Hotels wegen des Hurrikans evakuiert worden waren. Als der Hurrikane Miami erreichen sollte, hatte er letzten Endes doch eine Route weiter östlich eingeschlagen und zog einige hundert km an uns vorbei. Das einzige, was wir mitbekamen, war Regen und leichter Sturm, eigentlich hatten wir mehr erwartet 😀

Von Miami trampten wir nun zuerst nach Fort Meyers, dann nach Naples und schließlich auf die Keys. Überall fanden wir nette Menschen, die uns mitnahmen, Schlafplätze anboten und uns die Gegend zeigten. In den kompletten 6 Wochen unserer Reise schliefen wir nur 5 Nächte draußen und gaben keinen einzigen Cent für Unterkünfte aus.

Die besten Erinnerungen entstehen wahrscheinlich, wenn man aufhört, alles von vornherein zu planen, und sich einfach auf das Abenteuer einlässt. Bei keiner anderen Reise hätten wir einen so guten Eindruck von den USA, den Menschen und der Kultur gewinnen können, wie es so der Fall war. Und wieder einmal zeigte sich, dass es immer noch so viele offene und nette Menschen gibt, zu schade, dass Trampen in der heutigen Zeit und ganz besonders in Amerika so an Bedeutung verloren hat.

 

 

 

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